Jochen Richter

Rasse, Elite, Pathos

Eine Chronik zur medizinischen Biographie Lenins
und zur Geschichte der Elitegehirnforschung
in Dokumenten

 

Neuere Medizin- und Wissenschaftsgeschichte.
Quellen und Studien.
Hrsg. von Wolfgang U. Eckart (Heidelberg),
Centaurus Verlag Herholzheim

Band 8, 2000, 334 + X Seiten, 30 Abbildungen, br.
ISBN 3-8255-0242-2


 

 

 

Dieses Buch macht die vielfach zitierte, in ihren Einzelheiten jedoch bisher unbekannte "zytoarchitektonische" Untersuchung des Gehirns des 1924 verstorbenen Gründers und ersten Staatsführers des sowjetischen Imperiums, Wladimir Iljitsch Lenin, zum Gegenstand einer historischen Analyse. Die Untersuchung des Gehirns von Lenin ist mit ihrem bizarren Abspruch, in einer gegebenen weltgeschichtlichen Situation zu politischen Zwecken das materielle Substrat der Genialität einer historischen Persönlichkeit nachweisen zu wollen, ein medizinhistorisch einmaliger Vorgang gewesen. Eben diese Aufgabe übertrugdie sowjetische Regierung seinerzeit einem deutschen Hirnforscher, dem Direktor des Neurobiologischen Laboratoriums der Berliner Universität, Oskar Vogt.
Erstmals kann dieses Ereignis nun unter Berücksichtigung seiner politischen Rahmenbedingungen anhand zahlreicher Dokumente aus deutschen und russischen Archiven sowie zeitgenössischen Berichten in der damaligen deutschen und sowjetischen Tages- und Fachpresse authentisch rekonstruiert werden. Neben einer kritischen Bewertung der erkenntnistheoretischen und medizinischen Voraussetzungen des Vogtschen Unternehmens fokussiert der Autor seine Analyse auf die Beziehungen zwischen Medizin und Politik, die in den deutsch-sowjetischen Beziehungen der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine so exponierte Rolle gespielt haben.
Die Quellenedition vereint zahlreiche bisher unveröffentlichte und weitgehend unbekannte Archiv-Dokumente und ist damit bestens geeignet, interessierte Forscher zu weitergehenden Arbeiten anzuregen.Das Buch wendet sich vor allem an Historiker und Mediziner, speziell an Wissenschafts- und Medizinhistoriker, Osteuropaforscher und Politikwissenschaftler sowie gleichermaßen an Neurologen und Hirnforscher. Eine allgmein verständliche Darstellung und zahlreiche zeitgenössische Illustrationen ermöglichen es darüber hinaus jedem interessierten Leser, sich ein zutreffendes Bild von den historischen Ereignissen zu verschaffen.

Summary (English): The investigation of Lenin’s brain by the German neurobiologist Oskar Vogt from Berlin and his Russian collaborators in Moscow is one of the most exciting and simultaneously oddest chapters in the history of medicine. With the bizarre claim to be able to detect the material substrate of genius it provoked as much unrealistic expectations in the public as strong criticism by the scientific community of brain researchers. The book deals with the foundation history of the still existing Moscow Brain Research Institute (Institut Mozga), officially founded in November 1928 by Oskar Vogt for the investigation of Lenin's brain.. It presents 75 in chronological order selected (mostly unpublished) documents (archival documents, letters, notes, texts and publications) of original(ly?) Russian (40 doc.) and of German (35 doc.) provenience. The main task of the Moscow Brain Research Institute has been the collection and measuring (or measurement) of the brains of famous persons in general and the investigation of Lenin’s brain in particular. The book tries to elucidate the historical, political and social circumstances of the performed investigation in the second half of the twenties and the thirties (until 1936) of the XX. century. In this connection the epistemological and technical prereqisites of architectonical brain research and its means of the topographical representation of complex histo-anatomical and physiological differences in the brain cortex are discussed. The opening of Russian archives after the socio-economic turn of the year 1991 brought up new background facts in Lenin’s pathobiography; together with the sources from German archives a rather extensive reconstruction of the historical events between Lenin’s death in 1924 and the final report of the Moscow Brain Re­search Institute (Institute Mozga) to the Politburo of the Russian Communist Party (Bolsheviki) in 1936 is possible now.

Excerpts of this book (in Russian) are published in Znanie-Sila.

Zum Autor: Jochen Richter, geboren 1934 in Spremberg L., ist Wissenschafts- und Medizinhistoriker. Er studierte Philosophie und Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und promovierte 1977 zum Dr. phil. Bis 1990 als Mitarbeiter im Bereich Wissenschaftsgeschichte des Instituts für Theorie, Geschichte und Organisation der Wissenschaft an der Akademie der Wissenschaften der DDR , seitdem freischaffend, forschend und publizierend tätig. Veröffentlichungen zur Biographik und Institutionengeschichte der Neuroanatomie und der Neurophysiologie sowie zu Geschichte der deutsch-sowjetischen Wissenschafts- und Medizinbeziehungen.

Information provided by Jochen Richter.



 

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Axel Schmetzke, Ph.D.

Associate Professor

Library

University of Wisconsin-Stevens Point

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Stevens Point, WI 54481

USA

aschmetz@uwsp.edu

715-346-4658